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Wenige Jahre darauf begann der schreckliche, der 30jährige Krieg. Er forderte von Gingen als Straßendorf viele Opfer und brachte mit sich Not, Entbehrungen, Krankheit und Tod. Auch das Feuer! Nach der unglücklichen Schlacht bei Nördlingen durchzogen die Kroaten Isolanis das Land, plünderten und mordeten, sengten und brandschatzten. Das Dorf ging in Flammen auf und brannte bis auf die Kirche und wenige Häuser vollständig nieder. An Löschen konnte bei der Anwesenheit dieser Soldateska nicht gedacht werden. Wer es noch schaffen konnte, wer in die Wälder geflohen und war froh, wenigstens das nackte Leben gerettet zu haben.

Dank der Umtriebsfreudigkeit und des starken Aufbauwillens erholte sich Gingen verhältnismäßig schnell wieder. Die Angst vor dem Feuer aber blieb. Noch mit größerer Sorgfalt und mit noch strengeren Maßnahmen wurde darüber gewacht und verhindert, dass sich der ,,Rote Hahn auf die neuerbauten Häuser setzen konnte. Gefahrenquellen waren ja immer noch in genügendem Maße vorhanden. Besonders das Dörren von Hanf und Flachs und den vielen Früchten innerhalb der Häuser bereitete großen Kummer, nicht minder die Arbeiten in Stall und Scheune bei Licht während des Winters oder bei Nacht. Doch kam es trotz angekündigter und auferlegter Strafe eben immer wieder vor, dass einer mit offenem Licht im Stall hantierte. So war es auch damals, als Hannß Maders Weib in der Nacht vom 11. auf 12. Februar 1674 mit einem ,,Lichtbutzen" in den Stall ging, ,, ihrem Kühen Futter zu geben. Der Kerzenstummel fiel um, das Stroh fing Feuer. Bald brannte alles lichterloh. Der zu Hilfe eilende Mann erlitt schwere Brandwunden, zu retten war nichts mehr. Auch das angebaute Nachbarhaus ging in Flammen auf. Der Schütz holte die Frau auf die Amtsstube. Der Amtmann hielt ihr vor, welcher Unachtsamkeit sie sich beflissen und welchen Schaden sie sich, ihrem Mann und auch dem Nachbarn zugefügt hätte, ja welche Not leicht über das ganze Dorf hätte kommen können, wenn ein wenig Wind geherrscht hätte! - Die Frau erhielt eine Turmstrafe von 30 Wochen, starb jedoch aus lauter Gram während dieser Haftzeit.

Vielleicht auf diesen Vorgang hin, vielleicht auch durch weitere Brandfälle veranlasst erneuerte der Magistrat von Ulm 1683 seine Feuerordnung: Wo es sich begebe, des ein Feuer ausginge, soll die sonderglock angeschlagen und geläutet werden ... es soll auch niemand in Häusern laugen oder bachen, noch kein werg dörren in stuben noch in öfen oder mit offenem licht ohne laternen in stall und scheune gehn ... da man was neus gebaut an häussern, scheuren oder backöfen, soll es mit platten oder ziegeln gedeckt werden . . . wann inskünfftig unsere Feuergeschworenen in der Schau Kemmeter, Badatüblein oder andere Feuerstattan befinden sollten, welche dieser unserer Ordnung zuwider gebauen, sollen sie dieseibige, ohne bey Uns vorgehendes anbringen, gleich lassen einreissen und den Inhaber solchen Hauses seines Ungehorsame halber zur straff klagen

Stadtarchiv Ulm, Ratsprotokoll 124, Herrschaft, 5. liv. Freitag, 13. 2. 1674 ,,Brunst zu Gingen bei Hans Madern Söldnern.
,,Demnach ferner obgedachter Junker Vogt (zu Geislingen) berichtet, dass vorgestern zu Nacht in der zwölften Stund zu Gingen zwei Häuser verbrunnen seien, ist Hansen Maders, Söldners allda, Weib, welche vermutlich diese Brunst verursacht, indem sie ihrem Kühlem ein Fuetter gegeben und einen Liecht-Butzen in dem Stall fallen lassen, auf bevorstehendes Amten Liechtmeß in die Herrschaftsstuben zu erfordern, warum sie mit einem bloßen Liecht in den Stall gegangen und wie sie den durch solche Unachtsamkeit nicht allein ihr selber und ihrem an dem Leib übel verbrannten Mann sondern auch Hansen Freytagen, einem Nachbarn, zugezogenen großen Schaden zu geschweigen, dass er noch viel größer werden und den ganzen Flecken treffen können, verantworten wolle, zu befragen, anbei um die bestimmte Straf anzuziehen und ihr, dass sie erntbenanntem ihrem Nachbarn den erlittenen Schaden werde abtun müssen, zu sagen, deren erfolgende Entschuldigung zu beschreiben und selbige darauf alsobald, noch in ihrer Anwesenheit einem löblichen Magistrat, damit man sie endlich bescheiden könne, gebührend vorzulegen.
Ulm, 4. 11. 1975