erste Feuerwehrspritze in GingenAuch die Gemeinde Gingen zog eine Lehre daraus: Wohl als eine der ersten landauf, landab beschaffte sie im Jahre 1699 eine Feuerspritze. - Übrigens ist diese bis heute erhalten und funktioniert als älteste im Kreis sogar noch. Bei dieser Spritze handelte es sich natürlich nicht um eine komplizierte Maschinerie, nach damaligen Begriffen jedoch bildete sie etwas Sensationelles, etwas Einmaliges. Der Hauptteil war der hölzerne Pumpenkasten die meisten Teile waren aus Holz gefertigt -, darin entleerte man über ein Sieb die Wassereimer. Der durch einen langen Hebel in einem Führungsholz bewegliche Kolben saugte das Wasser an und presste es in einen Zylinder, von dem es dann mit einem gewissen Druck durch das Strahlrohr auf das Feuer gerichtet werden konnte. Höchst einfach! Und doch musste es erfunden und gebaut sein! Ein kleines Metallschildchen verrät uns den Erbauer: ,,Anno 1699 me fecit in Ulmae S.G.T.E." = 1699 erbaute mich in Ulm, ja aber wer? Bei T. E. handelte es sich um Theodosiua Ernst, einen Glockengießer, der z. B. auch die Süßener Glocken goss. S. G. könnte, wie Fachleute meinen, ein mitarbeitender Schreiner oder Wegner gewesen sein. Dem widerspricht jedoch die Einzahl ,,me fecit, und so dürfte Ernst sich wohl als Stadt- und Glockengießer verewigt haben.

Sei ihm, wie ihm sei: Auf jeden Fall war die Erwerbung der Spritze ein entscheidender Schritt für die Fleckenwehr von Gingen, und die Spritze eine große Hilfe bei allen weiteren Brandeinsätzen. Und das waren, wie nachgewiesen werden kann, nicht wenige. Natürlich musste sie auch entsprechend gewartet werden. Als Schmiermittel wurde dabei Schweineschmalz verwendet; davon kostete das Pfund damals 28-32 Kreuzer. An die feineren Teile gab man etwas Baumöl. Davon kostete das Pfund ebenfalls 28 Kreuzer. Ab und zu fiel auch eine größere Reparatur an. Z. B. liegt eine Rechnung vor von Kupferschmied Johann Jakob Ködel, Geislingen, wonach er ,,die zwey kupfernen Seur in die feuerspriz nach Gingen geflickt und ausgebessert hat für 1 Gulden 44 Kreuzer". 1786 fertigte Wagner Johann Georg Schurr ein neues Tregegestell an für 3 G., 6 Kreuzer Im selben Jahr bekam Michael Lenz ,,vor reparirung der spriz 1 G. 49 Kr.

Diese Rechnungen belegen am besten, dass die Tragspritze noch immer eingesetzt wurde. Bei dem großen Brand anno 1707 hatte dies allerdings nicht geschehen können. Im Verlauf des damaligen Krieges sollte die Reichsstadt Ulm hohe Kriegsgelder an die Franzosen bezahlen. Weil sie das nicht konnte und wollte, und weil Gingen und Süßen ulmisch' waren, legten die Mordbrenner in beiden Dörfern Feuer. Fast ganz Süßen fiel dem wutenden Element zum Opfer, in Gingen brannten 18 Firste nieder. Gegen eine solche Feuersbrunst war die Spritze machtlos, weil die Brandstifter zudem im Dorf geblieben waren und schon von vornherein jeglichen Löschversuch verhinderten.

Dieser schwere Schlag veranlasste die Gemeinde, im Jahre 1709 die Lokal-Feuerordnung weiter auszubauen: Für künftigen Einsatz werden 8 Rotten gebildet, von denen jede einen Rottmeister, einen Fahrer und einen ,,reuttenden Bott zugewiesen bekommt, dazu ein Rottenzeichen (Tierbild). 1735 beschaffte die Gemeinde eine größere Kübelspritze. Als sie ihr anno 1782 sogar noch eine fahrbare Handdruckspritze folgen ließ, konnte die Fleckenfeuerwehr jederzeit den Kampf gegen das zerstörende Element im eigenen Dorf aufnehmen. Oft und oft erbaten aber auch auswärtige Feuerreiter den Einsatz der Gingener Spritzen in einem anderen Flecken. Laut Rechnungsprotokollen geschah es durchschnittlich Jedes Jahr einmal, und dabei erstreckte sich der Bereich von Eberabach bis Gosbach und von Rechberg bis Aufhausen. Auch beim großen Stadtbrand in Göppingen, am 25. 8. 1782, waren Gingener Spritzen und Männer beteiligt. Vielleicht wäre der dortige Einsatz, wie vermutlich viele andere, gar nicht vermerkt worden, wären nicht dabei 14 Feuereimer verlorengegangen, die auf Anordnung des Magistrats raschestens ersetzt werden mussten. Auf Grund der jährlich durchgeführten Kontrolle der Feuerlöschgeräte wurde ein Inventarium" aufgestellt, eben z. B. von 1782:

1 Feuerspriz
1 kleine dito
1 Kübelspriz
4 Feuerleitern
89 Feuereimer, dazu beim Brand in Göppingen 14, beim Brand in Geislingen
5 verloren gegangen
3 Hacken
2 Bickel
1 Kreuzbickel
1 großes Sau
19 Thill
1 Schlagwerk zum Wasserbau; 1778 neu beschafft
1 Truhen-Kärrlein
1 Geld-Trüchlein
Außerdem hat der Schütz
1 Creutzpickel
1 Hellenpart
1 Wassergölt.

Bei dem ,,Geld-Trüchlein" handelte es sich nicht um eine Truhe zur Aufbewahrung des vielen Geldes - denn darüber verfügte euch die damalige Fleckenfeuerwehr nicht -, sondern es war eine fahrbare Wassergelt.
Außer der Feuerbekämpfung wurde die Fleckenwehr auch bei Katastrophen eingesetzt. 1785 ruinierte ,,das groß Gewässer die Gemeind-Wiesen, viele Ziehler gingen verlohren im Feld und im Ort. Für Aufbereitung von Pfählen erfolgt diß Jahr ein Holzeinschlag in der Gemeindhalden von ziemlich großem quanto. 121 Aichen wurden geschlagen. In der Rechnung machte dieser Einschlag allein: ,.62 Taglöhne ä 18 Kreuzer. Die Filsufer in der ,,Wöhrnähe" wurden mit doppeltem ,, Etter" (Zaun) versehen, mit Faschinen und Flechtgerten eingeflochten und ,,mit Reiß beschüttet'. Für die schwierige Arbeit im Wasser bezahlte die Gemeinde je Tag 30 Kreuzer, für die Arbeit außerhalb des Wassers fielen 33 Taglöhne = 20 Kreuzer an, ,,da die Personen von morgens früh bis in die späte Nacht ohnausgesetzt gearbeitet. Das Schlagen von Pfählen am zerrissenen Filasteg übernahm Zimmermeister Georg Preßmar: 6 Tage ä 30 Kr. = 3 Gulden, sein Geselle: 6 Tage ä 26 Kreuzer 2 Gulden 36 Kreuzer.

An der Filsbrücke mussten die Pfeiler und das Geländer ausgebessert werden, dazu kamen neue Schwellen. Das schaffte Zimmermeister Hornberger mit 2 Gesellen in 7 Tagen (Taglohn 30 bzw. 20 Krz.). Der Herrenwiesenweg und die Wasserfuhr wurden mit Holz und Reiß ausgebessert; dafür verarbeitete man 22 Eichen zu Pfählen, während für die Gemeindewiesen 94 große Pfähle benötigt wurden, an denen 1 Meister und 2 Gesellen 12 Tage schafften. Der Gemeindepfleger bekam zur Aufstellung. all der vielen Rechnungen 18 Stampfbögen mehr Papier zugewiesen ä 2 Krz. = 1 Gulden 12 Krz. Allein für Mehrbrauch beim Holzverkauf: 30 Krz.
Auch im Dorf waren von diesem Hochwasser viele Schäden angerichtet worden. Davon soll nur herausgegriffen sein: Maurer Georg Martaller am Feuerspritzenhäusle Dach umgeschlagen, den Fürst eingefasst, 3 Latten hingenagelt, am Klotz ein Mäuerlein gezogen, dazu 3 Wagen Stein, am Löwen Pflaster geflickt 11 Gulden 7 Kreuzer. Wenige Jahre darauf musste schon wieder ein neuer Katastropheneinsatz folgen, da das ,,ausgeloffene, außerordentlich große Gewässer erneut Dorf und Feld ruiniert".
Doch zurück zur eigentlichen Sache: In der Zwischenzeit hatte die Gemeinde das unweit des Pfarrhauses gelegene Leiter-Häuslein um 1775 zum Spritzenhaus erweitert und 2 neue große Leitern (mit 11 und 10,5 m) beschafft. Sie wurden am gegenüberliegenden Schulhaus aufgehängt. Wegen der Tragspritze kam das Ruggericht anno 1800 zum Urteil: Die Tragspritz ist wenig erheblich. Es ist zu trachten, sie gegen eine bessere und zweckmäßigere umzutauschen oder sie in ,,thunlichster" Zeit reparieren zu lassen ., Freilich ging sie manchmal etwas schwer. Das lag aber nur an der richtigen Pflege und am Schmieren. Denn als sie Spritzenmeister Stiefelmayer 1832 wieder einmal ,verlegt, geputzt, geschmiert und wieder zusammengesetzt" (für 19 Kreuzer), fiel auch die Visitation gut aus, und die Spritze wurde weiterhin verwendet.
Die Gemeinde war fortwährend bemüht, die Spritzen und die Übrigen Löschgeräte einsatzfähig zu halten: Beim Ausprobieren der großen Spritze wurde bemängelt, dass das Strahlrohr zu weit sei. Es wurde sofort nach Ulm gebracht, und der einstige Hersteller, der Glockengießer Thomas Frauenlob, hatte die Mündung enger zu machen. Auch organisatorisch ging man anderen Gemeinden voraus. 1822 stellte das Ruggericht fest:
Es bestehen 4 Feuer Rotten zu 40, 41, auch 42 Mann, und zugleich hier die lobenswerte Anordnung, dass, wenn es in einem Orte brennt, und es muss eine oder such schon die 2. Rotte gehen, die Männer über 60 Jahre im hiesigen Orte wachen müssen, damit alles in gehöriger Ordnung bleibe. Und 1824: Der Schultheiß hat dafür gesorgt, dass, wenn im hiesigen Ort Feuer ausbricht, die Anstalten zu dessen Löschung zweckmäßig getroffen werden, um zu dem Ende dem Oberamt den von ihm hierüber entworfenen Plan zur Einsicht vorgelegt. Das Oberamt hat den Plan gut gefunden, und erteilt dem Schuitheisen für diese seine Veranstaltung das gebührende öffentliche Lob..."
Die neue Aufteilung der Wehr und die besondere Art der Feuerbekämpfung wurden auch in die sehr ausführliche Lokalfeuerlöschordnung vom Jahr 1830 aufgenommen, die auf Grund der Württ. Generalverordnung vom 20. 5. 1808 geschaffen werden musste (Gingen war seit 1810 württembergisch).
Um auch fernerhin raschesten Einsatz zu gewährleisten, setzte das Schultheißenamt 1839 gewisse Taxen und dazu noch Prämien fest: Fahrt der Spritze mit 3 oder 4 Pferden über die Markungsgrenze = 4 Gulden. Dabei erhielt der Knecht, der dazu mit seinen Pferden zuerst am Spritzenhaus erschien, die Prämie von 1 Gulden. Kamen gleichzeitig 2 daher, gab es für den 1. 36 Kreuzer, für den 2. 24 Krz. Ein Feuerreiter erhielt für den Ritt nach Geislingen, den Brand beim Oberamt anzuzeigen, 2 Gulden, für den Ritt in die Nachbarorte 1 Gulden. Für längeren Einsatz der Spritze oder für ausgeübte Brand-wache gab es pro Mann eine besondere Entlohnung, die jedoch meist bei den zu tätigenden Frontagen angerechnet wurde.
An Hand solcher Eintragungen in den Rechnungsakten sind auch die vielen Einsätze im Ort und außerhalb nachzuweisen. Sie häuften sich oft dermaßen, dass ein Spritzenmeister die anfallende Arbeit gar nicht mehr allein bewältigen konnte. Daher erscheinen ab 1840 zwei weitere: Hofmann und Lenz. An Feuerreitern standen in jenen Jahren zur Verfügung: Stefan Ballester, Johs. Eberhard, Thomas Hofelich, Jacob Rus und Jacob Schnerrenberger. Das Fahren der Spritze und der Mannschaft besorgten: Müller Eberhard, Lammwirt Villforth, Löwenwirt Villforth und Kronenwirt Schnarrenberger. Ab und zu wurde auch ein Feuerläufer" benötigt, wie am 5. 5. 1843 Schuhmacher Joh. Gg. Mühich nach Oberböhringen.
Unausbleiblich war, dass manchmal ein Feuerreiter oder ein Spritzenfahrer sich aus reinem Übereifer in hastiger Eile auf den Weg machte, ohne den Befehl des Schultheißen abzuwarten. Das wurde natürlich scharf gerügt und angeordnet, dass jeder sich wohl raschestens zum Spritzenhaus zu begeben, dort aber den Befehl des Schultheißen abzuwarten hätte, ansonsten er eine Strafe zu gewärtigen habe. Durch den Erwerb des Hauses in der Hauptstraße und seinen Ausbau zum Rathaus ergab sich dort ein Raum zur Unterbringung der Spritzen. Das langjährige kleine Spritzenhäuslein am Pfarrhaus kam in Wegfall und wurde abgebrochen. Einen entscheidenden Schritt vorwärts bedeutete der im Jahr 1846 getätigte Kauf einer doppelten Fahrfeuerspritze beim Glockengießer Wieland in Ulm. Demnach war die Gemeinde Gingen mit ihrer ersten Fahrfeuerspritze sehr zufrieden gewesen: Sie blieb beim neuen Kauf bei der gleichen Werkstätte, denn Philipp Jakob Wieland hatte inzwischen den Betrieb seines Onkels Thomas Frauenlob übernommen. Er hatte ihn durch weitere Erfindungen auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens ausgebaut. Seine neuen Spritzen verfügten nun über einen Hydrophor, durch dessen Verwendung das mühselige Wassertragen wegfiel. Die Spritze kostete 1000 Gulden. Wieland gab 4jährige Garantie darauf. Damit war die Fleckenfeuerwehr Gingen für viele Orte vorbildlich ausgerüstet und ihre Schlagkraft erheblich verstärkt. Interessant ist die Aufstellung des lnventanums von 1847, werden doch darin auch Werte vermerkt:
1 Fahraprize mit Schlauch, später gekauft, 250 Gulden, 1 Tragsprize 40 Gulden, 1 Handaprize 1 Gulden 20 Krz., insgesamt 134 Eimer 151 Gulden 44 Krz.' 1 neue Fahrfeuersprize 1000 Gulden, 120 Fuß Feuersprizenschläuche 36 Gulden 20 Krz. .

Nebenher achtete die Gemeindeverwaltung unablässig darauf, dass die feuerpolizeilichen Vorschriften und Anordnungen eingehalten wurden: Die letzten unbesteigbaren Kamine, der kleine Rest der Hohiziegeldächer und die leicht brennbaren Flechtwände mussten vollends verschwinden. Ausgedient hatten auch die Laugöfelein vor den Häusern und die meisten Privatbacköfen. - In der Pfarrgasse wurde ein weiterer Gemeindebrunnen angelegt, und 1854 musste die Firma Wieland, Ulm, sämtliche Brunnen im Ort überholen und dabei an dem Gumpbrunnen beim Löwen und in der Pfarrgasse einen Schlauchanschluß für die Feuerspritze anbringen.

Wenn zu dieser geschichtlichen Betrachtung der Fleckenfeuerwehr Gingen durch 4 Jahrhunderte hindurch noch das Verzeichnis der bis jetzt festgestellten Brandeinsätze örtlicher und nachbarlicher Art herangezogen wird, dann darf doch wohl - ohne Uberheblichkeit - gesagt werden, daß sich diese Wehr stetig weiterentwickelte, somit immer einsatzfähig blieb und anderen Orten als Vorbild diente:
Fürwahr ein leuchtendes Ruhmesbiatt für die Gemeinde Gingen und für die Feuerwehrsache an und für sich!